Abuja – Im Hinblick auf die Parlamentswahlen 2027 mehren sich die Aufrufe der nigerianischen Bischöfe an die Gläubigen, nicht gleichgültig zu bleiben, sondern sich aktiv an der Wahl zu beteiligen.„Unser Leben beginnt zu enden, wenn wir angesichts der Dinge, die wirklich zählen, schweigen. Politik betrifft nicht nur den Einzelnen. Ich rufe alle Gruppen und jeden Christen dazu auf, am politischen Leben teilzunehmen“, erklärte am 10. August Bischof Dauwa Yohanna von Kontagora, Vorsitzender der „Christian Association of Nigeria“ im Bundesstaat Niger.Im Gespräch mit Journalisten in Minna forderte Bischof Yohanna die Christen auf, sich ihren Wahlausweis zu besorgen, sich aktiv am politischen Leben zu beteiligen und für die Kandidaten ihrer Wahl zu stimmen. „Gar nicht zu wählen ist kein Protest. Es ist eine Kapitulation, was natürlich eine zerstörerische Haltung ist. Wer nicht wählt, verliert das Recht, sich zu beschweren“, warnte Bischof Yohanna all jene, die aus Protest nicht zur Wahl gehen wollen.Zuvor hatte der Vorsitzende der Katholischen Bischofskonferenz von Nigeria , Erzbischof Matthew Man-Oso Ndagoso von Kaduna, in einer Erklärung gewarnt: „Wir stehen erneut am Beginn einer entscheidenden Phase, vielleicht der entscheidendsten in der Geschichte unseres Landes: den Wahlen 2027.“„Diesmal steht mehr auf dem Spiel als sonst“, bekräftigt er. „Wir befinden uns bereits an einem Punkt, an dem schlechte Führung zu Nachlässigkeit, mangelnder Verantwortlichkeit, wirtschaftlichem Rückschritt, religiösen Spannungen, Unsicherheit, Entführungen und unnötigen Todesfällen führt. Wir stehen kurz vor dem Zusammenbruch.“ „Wir dürfen unsere Situation nicht noch weiter verschlimmern“, warnt der CBCN-Vorsitzende.Auch Erzbischof Ndagoso äußert sich besorgt über das wachsende Desinteresse der Nigerianer an Wahlen. Unter Berufung auf Statistiken der Unabhängigen Nationalen Wahlkommission zu den Präsidentschaftswahlen 2023 stellte der Erzbischof von Kaduna eine „zunehmende politische Apathie“ fest. „In einem Land mit rund 250 Millionen Einwohnern waren nur 93.469.008 Wähler registriert, das entspricht 37,39 % der Bevölkerung, und lediglich 87.209.007 hatten ihre Wählerausweise abgeholt“, betonte er. „Noch besorgniserregender: 25.286.616 Wähler waren für die Präsidentschaftswahlen 2023 registriert. Sollten die Endergebnisse zutreffen, gewann der Kandidat des ‚All Progressives Congress‘ mit 8.794.726 Stimmen. Das bedeutet, dass der Präsident des bevölkerungsreichsten Landes Afrikas von nur 9,41 % der registrierten Wähler und lediglich 3,52 % der Bevölkerung gewählt wurde“, bekräftigte der Vorsitzende der nigerianischen Bischofskonferenz .Laut Erzbischof Ndagoso droht sich die Lage bei den nächsten Wahlen zu verschärfen. „So besorgniserregend diese Zahlen auch sind, ich befürchte, dass immer mehr Nigerianer das Interesse an Wahlen verlieren, weil sie überzeugt sind, dass ihre Stimme nichts mehr zählt“, befürchtet er. „Wir können die Korruption von Wahlbeamten zwar nicht ignorieren, aber wir müssen uns daran erinnern, dass Wählen eine grundlegende Bürgerpflicht ist. Es ist die Art und Weise, wie jeder Bürger am gesellschaftlichen Leben teilnimmt“, betont der Erzbischof.Erzbischof Ndagoso warnt außerdem, dass die Unzufriedenheit der Bürger zu Protesten führen könnte, insbesondere unter jungen Menschen, wie es im September 2025 in Nepal der Fall war. „Ich bete, dass es nicht so weit kommt“, sagt er, aber um dies zu vermeiden, „müssen die Nigerianer den Mut finden, wählen zu gehen.“